Einblicke in die Historie
Mit der Gründung durch Paul Gustav Leander und Friedrich Pfund begann die Erfolgsgeschichte der Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund im Jahr 1880. Im Zuge dieser einmaligen Geschichte entstand im Jahr 1892 der schönste Milchladen der Welt, so wie wir ihn heute kennen. Erhalten Sie Einblicke in die bewegende Geschichte der Gebrüder Pfund.
Die Gründer
Paul Pfund wurde am 18. November 1849 in Dresden geboren. Er besuchte eine höhere Dresdner Privatschule und begann mit 14 Jahren auf dem väterlichen Gut Reinholdshain eine Ausbildung zum Ökonomen, wie man damals den Beruf des Landwirts nannte.
Friedrich Pfund wurde im Jahr 1843 in Dresden geboren. Er absolvierte die Privatschule und eine Ausbildung zum Kaufmann. Seine Leidenschaft galt jedoch der Schauspielerei. Dort feierte er Triumphe als Charakterdarsteller. Aufgrund gesundheitlicher Probleme, musste er diesen allerdings Beruf allerdings aufgeben.
Die Familie
Durch seine Lehre als Ökonom wusste Paul Pfund das Gut in Reinholdshain zu bewirtschaften. Dieses erbrachte bald so hohe Gewinne, dass er 1874 seinem Vater das Gut abkaufen konnte. Seine Frau Mathilde, die er ebenfalls in dem kleinen Ort kennenlernte, begann mit der Zucht Meißner Edelschweine.
Nach fünf Jahren jedoch, strebte er voller Tatendrang nach Höherem, einem Geschäft in Sachsens Hauptstadt. Daher zog er im Juni 1879 mit seiner Frau Sophie Mathilde, seinen Kindern sowie 6 Kühen und einigen Schweinen nach Dresden.
Die Idee & Gründung
Die Industrialisierung hielt Einzug. Die Bevölkerung wuchs rasant und damit der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten. Doch einfachste Hygieneregeln konnten nicht eingehalten werden. So kam die Milch zumeist verunreinigt, verwässert oder gar sauer bei den Dresdner Bürgern an.
Diesen trostlosen Zustand konnte Paul Pfund nicht hinnehmen und gründete eine Milchkuranstalt auf der Dresdner Waldgasse Nr. 1, der heutigen Görlitzer Straße.
Der Kundenkreis der Milchkuranstalt wuchs von Tag zu Tag, sodass sich die Geschäftsräume auf der Dresdner Waldgasse bald als zu eng erwiesen. Aus diesem Grund siedelte man auf die Bautzner Straße 41 um, welche eine der wichtigsten Verkehrsadern Dresdens darstellte.
Das Unternehmen vergrößerte sich nach und nach durch verschiedene Anschaffungen, wie bspw. einer Butterpresse und einem weiteren Milchseparator. Von Jahr zu Jahr stieg die täglich verarbeitete Menge an Milch kontinuierlich an. Waren es im Gründungsjahr noch 500 Liter, stieg das Volumen bis auf 40.000 Liter im Jahr 1895.
Expansion
Paul Pfund eröffnete 1883 seine zweite Verkaufsfiliale. Diese befand sich auf dem Postplatz im Stadtwaldschlösschen in Dresden. Geführt wurde der Laden von seiner Frau Mathilde.
Im Jahr 1887 setzte man den Neubau des Stammhauses auf der Bautzner Straße 79 um. Wenig später erwarb Paul Pfund auch das kleine Nachbarhaus und baute dieses zu einem Wohn- und Geschäftsgebäude um.
1893 eröffnete Paul Pfund eine Milchtrinkhalle am Großen Garten im Herzen von Dresden. Hier konnte man während des Spaziergangs durch den schönen Park etwas Milch oder andere Molkereiprodukte kaufen oder direkt genießen.
Innovationen
Immer dichter wurde das Versorgungsnetz der Milchfahrer, immer vielfältiger das Angebot. Weil mehr Milch produziert als verbraucht werden konnte, stellte Pfund als erster in Deutschland Kondensmilch her, entwickelte Kindernahrung mit Muttermilchqualität und Milchseife für empfindliche Haut.
Mit der kondensierten Milch begann auch der Erfolgsweg für die Firma Pfund im Ausland.
Paul Pfund war mit seinen Entwicklungen stets in aller Munde und auch bei der Pasteurisierung von Milch war er ein wichtiger Vorreiter. Immer wieder stieß er auf heftig Widerstände – heute wissen wir, dass dieses Verfahren für Molkereien nicht mehr wegzudenken ist.
Der schönste Milchladen der Welt
Im Jahr 1891 entstand der repräsentative Hauptbau auf der Bautzner Straße 79 und wurde im November desselben Jahres bezogen. Der ebenerdig gelegene Milchladen war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht vollendet. Gemeinsam mit Villeroy & Boch sowie deren Künstlern, wurden die Motive für den Verkaufsraum entworfen und die Fliesen im Anschluss handbemalt. Es entstand ein einzigartiges Bilderbuch, welches im Herbst 1892 eröffnet wurde.
Alle Wandflächen, die Decke und selbst der Fußboden sind mit farbigen Fliesen belegt. Spielende Kinder, Schmetterlinge, Eichhörnchen, weite Landschaften mit weidenden Kühen – in jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Selbst ein Kaiserbildnis sowie das englische und amerikanische Wappen fehlen nicht.
Durch die einzigartige Gestaltung wurde der Milchladen der Gebrüder Pfund im November 1997 ins Guinness Buch der Rekorde als „Schönster Milchladen der Welt“ aufgenommen.
Mit den handbemalten Fliesen, detailreichen Verzierungen und der absolut einzigartigen Atmosphäre ist unser Milchladen nicht nur ein Geschäft, sondern ein echtes Stück lebendige Geschichte und ein besonderes Erlebnis für Besucher aus aller Welt.
Verfall & Wiederbelebung
Der Erste Weltkrieg hinterließ auch bei der Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund seine Spuren. Zahlreiche Angestellte sowie Dr. phil. Kurt Pfund und Max Pfund gingen schon in den ersten Tagen der Mobilmachung an die Front. Dies hatte vor allem große Auswirkungen auf den Kondensmilch-Export.
Auch im zweiten Weltkrieg musste das Unternehmen viele Hürden überwinden und stand, laut einiger Berichte, sogar kurz vor der Enteignung. Im Inferno des 13./14. Februar 1945 in Dresden, wurden 35 Verkaufsläden und mit ihnen alle Lebensmittelbestände vernichtet. Wie durch ein Wunder, blieb das Stammhaus auf der Bautzner Straße von beiden Kriegen unberührt.
Trotz aller Rückschläge in den vergangenen Jahren, lies Direktor Max Pfund sein Unternehmen nicht im Stich und begann nur kurze Zeit nach dem Krieg wieder mit der Versorgung der Dresdner Bevölkerung mit Milch, in dem er diese aus den umliegenden Dörfern einholte.
Ein weiterer Rückschlag für das Unternehmen erfolgte 1946 durch die Beschlagnahmung durch die sowjetische Militär-Administration die Max Pfund Sabotage und mangelnde Hygienestandards vorwarfen. Erst im Juli 1974 entlastete die Staatsanwaltschaft den Geschäftsführer vollumfänglich.
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Immer wieder siegte der Unternehmersinn der Familie Pfund. Anschaffungen wurden getätigt, Mitarbeiter eingestellt und Geschäfte eröffnet. Man ließ sich von den Widrigkeiten in der Nachkriegszeit nicht unterkriegen und stellte sich jeglichen Herausforderungen.
1970 wird Dipl.-Ing (FH) Paul Friedrich Pfund als Werksleiter der Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund eingesetzt. Am 01. Mai 1972 wurde jedoch eine Zwangsenteignung durch den Ministerrat und das Präsidium der DDR beschlossen. Der Betrieb wurde in Staatseigentum als „VEB Dresdner Molkerei“ überführt. Im Jahr 1978 erfolgte die komplette Stilllegung.
Durch fehlende Werterhaltung und Misswirtschaft, musste ein Großteil der Produktion abgerissen werden.
Nur durch den Einsatz von Johanne Elisabeth Pfund konnte der Verkaufsraum mit all den Fabelwesen, Engeln und Putten gerettet werden. Bereits 1966 tätigte sie einen Anruf beim Institut der Denkmalspflege, welcher den Laden unter Denkmalschutz setzte.
Der Milchladen heute
Im Jahr 1990 erlangten die Erben ihre alten Besitzrechte zurück. Allerdings gaben die Eigentümer schweren Herzens die Unternehmensführung ab. Heute befindet sich der „Schönste Milchladen der Welt“ im Besitz eines Dresdner Geschäftsmannes.
Nach all den Jahren der Vernachlässigung war eine Sanierung nötig. Auch wenn nur knapp 5 Prozent der Fliesen erneuert werden mussten, war es dennoch ein kostspieliges Unterfangen. Fehlende Fliesen stellte Villeroy & Boch in seinem Werk in Mettlach her.
Noch heute steht die Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund für Qualität und Innovation. Zwar gibt es keine eigene Produktion mehr, jedoch werden durch regionale Höfe und Produzenten einige Produkte speziell für die Pfunds Molkerei hergestellt. Unsere Milchseife wird nach einem Originalrezept hergestellt und erfreut sich damals wie heute großer Beliebtheit.
Unser Buchtipp
Wenn Sie mehr über unsere Geschichte erfahren möchten, können Sie unser Buch „Pfunds Molkerei“ in unserem Onlineshop bestellen. Der Autor Jürgen Helfricht hat sich umfassend mit der Geschichte und allen Geschehnissen auseinandergesetzt. Entstanden ist ein kurzweiliges Buch mit vielen interessanten Hintergrundinformationen.



